Religionsgemeinschaften

Staat und Religion

Wohl hat der Staat keine direkte Zuständigkeit für den religiösen Glauben. Für den Staat sind die Religionsgemeinschaften aber wichtige Akteure der Zivilgesellschaft. Sie tragen viel und Wesentliches dazu bei, dass die Freiräume, die der Rechtsstaat lässt, positiv genutzt werden. Der Kanton Zürich ist mit gutem Grund stolz darauf, dass er es in seiner Geschichte mehrfach verstanden hat, aufgeklärt und nüchtern auf grosse gesellschaftliche Herausforderungen zu reagieren. Damit wird jenen Menschen den Rücken gestärkt, die im Frieden miteinander zusammenleben wollen. 

Mit Religion kann stets auch ein gefährliches Potenzial verbunden sein. Besonders mit den Mitteln des Strafrechts setzt der Staat den Religionsgemeinschaften Grenzen. Der kategorische Verzicht auf Gewalt und die Achtung der religiösen Freiheit anderer ist die Voraussetzung, dass Religionsgemeinschaften im Staat existieren und von seinem Schutz profitieren können.

Der Staat schreibt niemandem vor, was er glauben soll oder nicht glauben soll. Bei solchen Fragen hat der Staat in unseren Köpfen und Herzen nichts zu suchen. Jede und jeder ist frei, zu denken, zu meinen, zu glauben. Jede und jeder ist frei, einen Glauben zu haben, einer Religionsgemeinschaft anzugehören und dazu zu stehen.

Die religiöse Pluralisierung im Kanton Zürich ist eine Tatsache. Noch in den 1960er-Jahren waren zwei Drittel der Zürcherinnen und Zürcher Mitglieder der Evangelisch-reformierten Landeskirche. Diese Zahl hat sich seither halbiert. Waren 1970 noch 94 Prozent der Bevölkerung Mitglied entweder der Evangelisch-reformierten Kirche oder der Römisch-katholischen Körperschaft, sind es heute noch rund 57 Prozent. Andere Religionsgemeinschaften sind demgegenüber gewachsen. Viele Zürcherinnen und Zürcher gehören zudem keiner Glaubensgemeinschaft an.